Samstag, 21.Juni 2014

4.Biggesee Marathon


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Irgendwie müssen ja Kilometer gesammelt werden für die 24 Stunden DM in Berlin. Was liegt also näher als ein Marathon zu laufen. Die Wahl fiel auf den Biggesee Marathon. Von Timing her einfach ideal. Überschaubare Veranstaltung, Start ist Samstag erst um 14 Uhr, die 210km sind von der Anfahrt verkraftbar. Einziger Knackpunkt des Biggesee Marathons sind die 930 Höhenmeter. Naja, man kann halt nicht alles haben.

Vorbereitung gibt es keine. Der Marathon wird aus dem vollen Training raus gelaufen. Lediglich der Freitag vorm Marathon lasse ich das Training aus. Viel zu kaputt und platt. Wie soll man da noch ein Marathon laufen können. Das wird böse enden bei dem anspruchsvollen Höhenprofil. Irgendwie wird es schon klappen. Die Zeit ist diesmal nicht so wichtig. Hauptsache ordentlich durchlaufen.

Samstag morgens das Frühstück diesmal erst um 7:30Uhr. In aller Ruhe 2 Brötchen mit Banane und Honig gegessen. Dazu noch ein Ei und viel starken Kaffee. Zusätzlich nehme ich mir noch 2 Brötchen und eine Banane für die Fahrt mit.

Treffpunkt um 9:30Uhr mit Dirk, Alex und Horst am Autobahnzubringer Pfungstadt. Weiter geht es mit einem Auto nach Attendorn. Kurz vor 11:00Uhr nochmal ein Stopp zum Essen. Die 2 Brötchen mit der Banane werden auch noch reingedrückt. Das müßte jetzt reichen an Energie für den Marathon um 14:00Uhr.


Frühstücken zu humanen Zeiten. Absolut stressfrei wenn der Startschuss erst um 14Uhr fällt.
Nochmal Kolenhydrate nachladen um 11Uhr

links: Frühstücken zu humanen Zeiten. Absolut stressfrei wenn der Startschuss erst um 14Uhr fällt.
rechts: Nochmal Kolenhydrate nachladen um 11Uhr


Pünktlich um 12Uhr sind wir am Start/Ziel Gelände Campingplatz Biggesee. Alles sehr überschaulich und einladend. Schnell sind die Startnummern abgeholt und die Lage am Startplatz gecheckt. Die restliche Zeit bis zum Start wird überbrückt mit Kaffee trinken und abhängen. 

Am Startplatz versammeln sich schon die ersten Marathonläufer/innen. Wichtige Informationen über die Strecke werden durchgesagt. Der 2.Teil der Strecke soll angeblich heftiger sein. Also nicht gleich alle Körner verpulvern! Außerdem sind viele single Trails in die Strecke integriert. Hier sollte man ein bisschen aufpassen, wegen den Wurzeln auf dem Untergrund. Straßenüberquerungen gibt es auch noch ein paar. Wenigstens mal kurz rechts und links schauen. Nicht einfach drüber brettern. Wäre soweit alles gesagt, der Start kann runtergezählt werden.  


Überpünktlich um 12Uhr am Biggesee angekommen
Absolute Idylle am Biggeeee

links: Überpünktlich um 12Uhr am Biggesee angekommen  rechts: Absolute Idylle am Biggeeee


Schnell sind die Startunterlagen abgeholt
Hier werden noch schnell die Finisher Medaillen mit den 2014'er Bändchen versehen

links: Schnell sind die Startunterlagen abgeholt 
rechts: Hier werden noch schnell die Finisher Medaillen mit den 2014'er Bändchen versehen 


Wieder dieses bescheuerte Chipbändchen. Ich hasse es.
Kurz vorm Marathon Start Horst, Frank und Dirk. Alex läuft diesmal den halben.

links: Wieder dieses bescheuerte Chipbändchen. Ich hasse es.
rechts: Kurz vorm Marathon Start Horst, Frank und Dirk. Alex läuft diesmal den halben.


14:00 Uhr Start:

Das Feld setzt sich in Bewegung. Sofort steigt die Strecke leicht an. Nach 500 Metern wird die Steigung heftiger. Gleich zu Anfang gilt es 130Hm auf 2km zu laufen. Das Feld zieht sich auseinander. Die ersten lassen nach, aber ein paar Läufer ziehen auch an mir vorbei. Nach einem Kilometer Anstieg frage ich mich jetzt schon, ob das heute wirklich sein mußte! 930 Höhenmeter, und mir reichen schon die ersten 100!

Im ständigen auf und ab geht es die nächsten 3,5km weiter. Auch die ersten single Trails sind im Kurs eingebaut. Jetzt ist Vorsicht geboten. Die Baumwurzeln im Boden könnten zur gefährlichen Stolperstelle werden. Das wär schon mal gepackt. Die Bundesstraße L697 wird überquest. Es geht normal weiter auf einem befestigten Weg.

Wo es rauf geht, da geht es auch irgendwann wieder runter. Die ersten 2km mit 100m negativem Höhenunterschied bringen die Pace erstmals unter 4:00min/km. Wieder halbwegs in der Ebene angekommen, da taucht der 10km Marker auf. 47:31min. Damit kann ich gut leben. Denkt man aber an die restlichen 32km, dann kommen mir erhebliche Zweifel, hier mit einer erträglichen Zeit den Marathon zu beenden.

Die Strecke steigt wieder an. 80Hm auf den nächsten 1,7km. Scharfe Kehre kurz vorm Ortsanfang von Dünschede und weiter rauf. Wasser am 2.Verpflegungspunkt nehme ich gerne. Sogar zu Essen gibt es hier schon. Ich bin platt, die vielen Trainingskilometer aus den letzten Wochen machen sich gnadenlos bemerkbar. 5:15er Pace in der Steigung ist dennoch verkraftbar. 

Bei 12,5km ist der Scheitelpunkt erreicht. Im folgenden Gefälle bis KM15 versuche ich mich ein wenig zu erholen. Die Beine sind müde. Längst läuft es nicht mehr so locker. Durchschnitts Pace 4:12min/km auf abschüssigem Weg. Das geht normal viel besser! Ein kurzer Anstieg folgt noch, und die Burg Schnellenberg bei KM15,5 ist erreicht. Hier gibt es einen weiteren VP. Die Gelegenheit ein Gel einzuwerfen. Ein paar Ausflügler und Touristen klatschen anerkennenden Beifall. Das baut wieder etwas auf.

Die Burg lassen wir hinter uns. Weiter runter, auf einem Trampelpfad, bis zum kleinen Fluß "Bigge". Hier geht es jetzt immer am Ufer entlang bis fast KM19. Das Laufen in der Ebene fällt schwer nach dem Gefälle. Man glaubt fast, die Strecke würde ansteigen. Es folgt ein Serpentinen Anstieg mit 4 Kehren. Ein Läufer hat mich eingeholt. Er ist dicht hinter mir. Das war mir irgendwo klar. Ich dachte es würden noch mehr kommen. Aber solange es nur einer ist geht es ja noch.

Die Verzweigung von Marathon und Halbmarathon kommt. Hier könnte man jetzt noch mal wählen. Aber egal wie platt ich bin. Sowas kommt überhapt nicht in die Tüte! Ich werde überholt. Da hat sich jemand den Lauf gut eingeteilt. Ich versuche kurz zu plaudern, aber der Läufer kommt aus Polen, versteht leider kein Deutsch oder Englisch. Ich versuche vergeblich dranzubleiben. Halbmarathondurchlauf bei 1:39:19. Das ist noch gut, aber auf keinen Fall im 2.Anschnitt zu halten. 

Nächster VP an der JVA Attendorn passiert. Attendorn wird verlassen. Noch ist es eben, aber langsam geht es wieder rauf. Nach einem kurzen Stück durch den Wald, sieht man das ganze Unheil kommen. Die Strecke zweigt ab nach links. Einen extremen Anstieg bis KM24 hat man vor Augen. Weit vor mir ist schon der polnische Läufer. Wahnsinn, der krabbelt da locker rauf. Ich bin platt. Der Gedanke einfach mal ein Stück in der Steigung zu gehen, kommt immer öfter. 120Hm auf 1,3km, da ist man ganz kurz vor der Kotzgrenze! Ich sehne den Scheitelpunkt herbei. Aber nach jeder Kurve geht es weiter rauf. Los! nicht gehen! Wer jetzt geht, geht die anderen Steigungen auch! Endlich! Es kommt ein kurzes Stück mit leichten Gefälle. Ich hab's erst mal gepackt!
 

Schon wieder geht es rauf! Aber so weit ich das noch vom Streckenplan im Kopf habe, kann das nicht lange gehen. Genau so ist es auch. KM25 ist erreicht und jetzt geht es einen Kilometer abwärts. Wiederum auf einem weiteren single Trailpfad. Bloß nicht hinfliegen, das wäre eine Katastrophe. Ganz unten ist der nächste Verpflegungspunkt. Gleich mal das Gel rein. Fehlt nur noch Wasser. Aber am VP26 stehen die Helfer wie angewurzelt da und machen nix! Zornig schnappe ich nach 2 halb gefüllten Bechern. Dabei wird es natürlich ein bisschen naß am VP. Die Helfer regen sich auf. Ja was glauben die denn? Das ist doch kein Kaffeeklatsch hier, wo man anhält bisschen plaudert und sich stärkt.

Nächster Anstieg auf einem Trailpfad. Dieser führt letztendlich wieder auf einen befestigten Weg. Erneuter Anstieg bis KM27. Zähne zusammen beißen. Noch 15km, das muß doch zu packen sein. Am besten noch unter Zielzeit 3:30. Der nächste kurze Abschnitt im Gefälle gibt wieder etwas Zuversicht. Doch kaum hat man sich ans runterlaufen gewöhnt, da kommen die nächsten 1,5km mit 110Hm rauf.

Das zieht sich ewig. Ich schlurfe nur noch noch rauf. Oberstes Gebot, nicht gehen! Kleine Schritte im Jogging Tempo und nicht nachlassen! Ganz vorne da läuft sogar noch jemand. Das spornt wieder an. Am Ende der Steigung hab ich ihn eingeholt. Na bitte geht doch! Weiter neben der Bundesstraße auf einem kleinen Pfad. Dieser wird schließlich zum "Rotkäppchen-Pfad". Sehr liebevoll gemacht mit keinen Figuren an den Sträuchern, tunnelartige Durchführungen aus Bäumen und Sträuchern. Sehr schön!

KM30 bei 2:28:25 abgedrückt. Das könnte reichen für die Sub 3:30. Dafür müßte ich allerdings einen 5'er Schnitt laufen nach dem ganzen Programm. Naja, schaun wir mal. Wieder jemanden überholt. Dann war ich doch gar nicht so schlecht unterwegs. Die kacken also noch schlimmer ab als ich. Wieder leichtes Gefälle. Sofort wird die Pace erhöht. Die Chance auf ne Sub 3:30 auf diesem Kurs gibt allen Grund weiter dran zu bleiben.   

Nächster VP, bei KM31. "Wasser!" rufe ich schon von weitem. Trotzdem klappt die Übergabe nicht. Egal weiter. Plötzlich ruft es von VP: "Halt! zurück!" Was wollen die denn jetzt? "Hier rein!" Ach du Scheiße! Abbiegung verpaßt! Wieder zurück und rein in das Waldstück. Das war aber auch dumm, hier im Gefälle den VP nicht schräg hinzustellen. Da läuft man doch automatisch an der Abzweigung vorbei. Ein paar sichtbare Pfeile wären hier echt gut gewesen. Das hat Zeit gekostet! Nächstes Jahr weiß ich dann Bescheid!

Verärgert krabbele ich die nächste Steigung rauf! KM32 ist erreicht! 2:38:26 auf der Uhr. Und jetzt kommen 2,5km abwärts mit 125Hm. Auch wenn es weh tut, vollen Speed aufnehmen. So packe ich die 3:30! Nur hier kann ich noch Zeit gutmachen. Denn bei KM34,5 steigt die Strecke nochmals an. Rauf in den Ort Beukenbeul. Auch wenn nix mehr geht, das packe ich jetzt auch noch ohne Gehpausen. Am Ortseingang ruft mir jemand zu: "die anderen 7 packst du auch noch!" Die anderen sieben? Ja dann bin ich ja achter. Super! Los weiter!

Scharfer Abzweig nach links. Die Steigung ist fast geschafft. Ganz oben nochmal ein Verpflegungsstand. Wenn ich da vorbei bin, dann muß es eben sein. Jawohl, es ist geschafft. Gute Stimmung am VP. Wasser geschnappt und weiter. Wieder ein Läufer im Blick. Den pack ich! Immer kürzer wird der Abstand. Im Vollspeed das Gefälle runter. Nochmal 120Hm auf 2km. Der Läufer ist überholt, und der nächste ist auch schon in Sichtweite. Ja wer glaubt denn das? Es ist der polnische Mitstreiter von KM20!

Auf jetzt! Das wird ein super Ergebnis. Das läuft jetzt alles wie von alleine. Rein ins Ort Neu-Listernohl, letzter VP bei KM38,5. Mist, Getränk verfehlt! Scheiß drauf! Gleich gibt es sowie genug zu saufen! Nächsten Läufer einkassiert. Aber der bleibt dran! Nicht umdrehen! Laufen was das Zeug hält! Nochmal leichter Anstieg auf den letzten Kilometern, aber das macht nichts. Über eine Doppelbrücke rüber in ein Waldstück. Kurzer knackiger Anstieg, und vor uns liegt der Biggesee in voller Pracht!

Das ist nicht mehr weit. Auf dem Bigge Staudamm weiter. Vorbei am Leuchtturm Restaurant. Die Ausflügler klatschen Beifall. Sehr schön! Das Ziel liegt quasi auf der anderen Seite vom See. KM40 bei 3:16:24 passiert. Die augenblickliche Pace steht bei 4:30min/km. Da brennt nichts mehr an! Die letzten Reserven mobilisieren. Von der Seite kommen die Halbmarathonläufer dazu. Alle Verfolger scheinbar abgeschüttelt. KM41 Schild passiert. Kurz darauf, der Hinweis: "In 500m gibt es Krombacher". Abzweig zur Zielgeraden. Da fehlen doch bestimmt 500m bis zur Marathondistanz! Das gefällt mir ja gar nicht! Ich kann es nicht ändern. Wenn der Veranstalter meint es sind 42,2km, dann wird es schon passen. Schon wieder eine Tafel "In 250m gibt es Krombacher". Das Ziel liegt unten am Biggesee Strand. Nur noch um die Kurve. Die letzten Meter. Die Uhr steht noch unter 3:23. Dirk wartet bereits im Ziel. Die letzten Meter. Geschafft! 3:23:44. Platz 6 gesamt und Platz 2 in der Altersklasse. 

Gleich mal über die Zielverpflegung hergemacht. Kurzer Plausch mit Dirk. Für Ihn ist es sogar Gesamtplatz 4 mit 3:20:06. Unterm Strich lief das doch super! Bedenkt man das ganze Programm der letzten Wochen. Geduscht wird auf dem gegenüberliegenden Campingplatz. Ganz nobel mit Einzel-Duschkabinen.

Eine sehr schöne Veranstaltung am Biggesee. Tolle aber auch anspruchsvolle Strecke. Trotz aller Natur Idylle müssen wir schnellstens nach Hause. Das Fußball WM Spiel gegen Ghana startet bald!


noch 250m bis zum verdienten Weizenbier
Nach 3:23:44 habe ich das Ziel erreicht

links: noch 250m bis zum verdienten Weizenbier  rechts: Nach 3:23:44 habe ich das Ziel erreicht


Prima Zielversorgung
Lief besser als erwartet. Dirk, Horst und Frank

links: Prima Zielversorgung  rechts: Lief besser als erwartet. Dirk, Horst und Frank


Nochmal ein paar Biere abgreifen für die Heimfahrt
Waren auch am Start auf der Halbdistanz: Laufkumpel Wolfgang mit Krissy

links: Nochmal ein paar Biere abgreifen für die Heimfahrt
rechts: Waren auch am Start auf der Halbdistanz: Laufkumpel Wolfgang mit Krissy


Die Zeit bis zum Länderspiel hat nicht ganz gereicht. Zwischenstopp für das Deutschlandspiel. In Griesheim beim Italiener gibt es Public viewing und gute Pizza.
Horst und Alex hauen sich die verdiente Pizza rein.

links: Die Zeit bis zum Länderspiel hat nicht ganz gereicht. Zwischenstopp für das Deutschlandspiel. In Griesheim beim Italiener gibt es Public viewing und gute Pizza.
rechts: Horst und Alex hauen sich die verdiente Pizza rein.