Sonntag, 29. März 2009

18. Eschollbrücker Ultramarathon

Frage:
Kann ich mitten im Marathontrainingsplan anstelle des Langen Laufes am Sonntag einen Ultramarathon laufen? Antwort: Na klar!
 
Vorbereitung:
2 Ultras innerhalb von 8 Wochen laufen, ist schon ein straffes Program. Aber 3 Wochen vor dem 2.Ultra noch in Wiesbaden den Lauf auf die Platte zu absolvieren, und die Woche drauf den Wintersteinlauf in Friedberg zu bestreiten, das ist schon mehr als grenzwertig. Soll ich das wirklich wagen? Na klar! Was den sonst! Schließlich winkt ja mit 2 Ultrateilnahmen ein Eintrag in der deutschen Ultra Cup Wertung. Nach dem guten Ergebnis vom Wintersteinlauf sah ich dem ganzen Vorhaben sehr positiv entgegen. Obwohl immer noch leicht geplagt von Erkältungserscheinungen erholte ich mich recht schnell. Dass man natürlich in den verbleibenden 2 Trainingswochen bis zum Ultra nichts mehr groß reißen kann war klar. Also schraubte ich die Wochenkilometer leicht runter und setzte mehr auf Erholung. In der ersten Woche nach dem Winterstein wurden zum Glück die Leistenbeschwerden besser. Samstags lief ich nochmal einen langen Lauf über 32km. Mit im Lauf war eine 5km Runde vom Eschollbrücker Ultra zum antesten. Alles lief soweit gut. Der Rückweg war dann etwas abenteuerlich, da ich einen mir nicht bekannten Weg wählte. Leider bekam ich am nächsten Tag die Quittung für einen 2km mehr oder weniger unfreiwilligen Abstecher auf Ackerboden/Feldboden. Das Sprunggelenk muckte wieder auf. 2 Monate war alles halbwegs ok, dank Einlagen und Fußgymnastik. Das sind ja beste Aussichten. Und nun ? Wie immer eben. Nur 3 leichte, statt 4 Einheiten. Temposachen ganz weglassen.

Streckenbegutachtung 1 Woche vor dem
Streckenbegutachtung 1 Woche vor dem

Der Plan:
Bestärkt durch das gute Ergebnis vom Winterstein setze ich mir das Ziel Sub 3:50. Das wäre mit einer Pace von 4:36/km machbar. Um vernünftig ins Rennen zu kommen versuche ich mich diesmal an einer 3 Stufen Taktik mit negativem Split. km 1-3 Pace 4:41 km 4-19 Pace 4:37 km 21-50 Pace 4:35 soweit die Theorie......... Thomas und Gabi wollten die zurückhaltende Anfangspace mitlaufen um nicht unnötig auf den ersten Kilometern zu überpacen.

Wettkampftag:

Früh aufstehen ist angesagt. Um 9 ist schon der Start. Außerdem klaut uns die Umstellung auf die Sommerzeit nochmal 1 Stunde Schlaf. Ich schaffe es tatsächlich um 5:30 Uhr aufzustehen. Nochmal die letzten Sachen in die Tasche gepackt. Zum Frühstück gibt es Kaffee ein Brötchen mit Honig, Müsli mit Joghurt und Apfel. Trotz der immer noch niedrigen Temperaturen will ich bis auf ein hauchdünnes Langarm Unterhemd in kurzen Sachen laufen. Die Winterkleidung beim Wintersteinlauf hatte mich doch ganz schön ins Schwitzen gebracht. Heute muß ich nicht fahren, Gabi holt mich wie verabredet um 7:30 Uhr ab. Eschollbrücken ist ja nicht weit weg, und so haben wir um 8:00 Uhr schon die ganzen formellen Dinge mit Startnummer usw. erledigt. Es gibt noch für jeden Starter eine Tafel Nußknacker Schokolade und ein Duschgel (das hat hier schon eine längere Tradition). Die Taschen bleiben einfach in der Umkleide stehen. Alles ist super familiär und einfach gehalten. Man fühlt sich gleich wohl. Es gibt noch etwas Zeit zum plaudern. Wir treffen auf Thomas und besprechen noch einmal die "Bremstaktik" für die ersten Kilometer. Nun geht es raus zum Start. Ich mache es wirklich wahr. Kurze Sachen, wie geplant. Das hauchdünne Langarmshirt verspricht tatsächlich was ich kaum glauben kann. Es hält warm und man merkt es kaum auf der Haut. Prima. Trotzdem nehme ich eine Kappe für den Kopf und Handschuhe. Kappe und Handschuhe kann ich ja bei Bedarf einfach in einer der zehn Runden im Start/Zielbereich auf die Seite werfen.

Start :
81 Ultramarathonläufer/innen stehen bereit für 50km. Alles ist irgendwie locker und entspannt. Los gehts. Vom Sportplatz raus geht es gleich nach rechts. Ein kurzes Stück auf dem Waldweg, dann kommt die Abzweigung nach links auf den Damm. Hier steht schon Gerhard der 1. Streckenposten. Er nennt doch tatsächlich die Leute beim Vornamen. Wie geht das ? Wir haben doch nur eine Nummer. Hoch geht es auf den Damm und gleich wieder nach links. Wo sind denn die Bremsläufer ? Thomas habe ich scheinbar schon verloren. Gabi läuft vor mir. Ich schließe auf, wir wünschen uns einen guten Lauf und ziehe davon. Alle guten Vorsätze vom Start weg über den Haufen geworfen. Ich kann einfach in der Anfangsphase nicht langsam laufen. Das werde ich wohl nie lernen. Jetzt kommt der erste Wert. KM1 eine 4:24. Ein kurzes aber heftiges Gefälle kommt. Gleich darauf geht es wieder langsam hoch auf die normale Dammhöhe. Hier muß man auch ein Stück neben der Autobahn laufen. Jetzt die Dammschniese im Wald. Hier könnte es ab und zu ziehen. Wir verlassen den Damm an der gleichen Stelle, wo wir hochgelaufen sind. Ein kurzes Stück, bei dem Läufer/innen entgegenkommen können. Der Damm ist quasi ein Rundkurs von ca.1800m. Das KM2 Schild kommt, ich drücke auf die Uhr 4:22. So kann das nicht weiter gehen, der Puls ist schon über 160/88%HFmax. Ich muß jetzt Tempo rausnehmen sonst ist der Lauf schneller vorbei, als mir recht ist. Jetzt geht es scharf links, wieder vorbei am genialen Streckenposten Gerhard. Er nennt jeden beim Namen, und hat noch einen aufmunternden Spruch drauf wie, "prima, das läuft gut, sieht sauber aus......." Jetzt folgt ein langes Stück durch den Wald. Mitten drin ein leichter Knick nach rechts. Ich schließe auf eine Gruppe mit Läufern auf und versuche mich deren Tempo anzupassen. Es funktioniert. Am Waldrand vor dem Feld steht wieder ein weiterer interessanter Streckenposten. Zwei ältere Männer lehnen an einem Fahrrad und haben ebenfalls lockere Sprüche für die Ultraläufer übrig. KM3 wird mit einer 4:31 gestoppt. Na bitte geht doch. Auch der Puls beruhigt sich wieder. Das kurze Stück durch das Feld ist nicht sehr angenehm zu laufen. Ein Glück ist es auch bald wieder vorbei. Die Strecke führt jetzt wieder in Richtung Sportplatz zurück. Es geht direkt am Waldrand vorbei. Zur linken schon die Wohngebiete, aber leider kaum Zuschauer. Ein kleiner Abstecher geht jetzt kurz in den Wald rein. Es folgt eine Spitzkehre und auf einem schwer zu laufenden Stück, geht es auf einer Laufspur zurück an den Weg am Waldrand. Das wird sicher schwierig hier zu überholen. Es bleibt nur die Ausweichmöglichkeit durchs Gestrüpp. Weiter am Waldrand folgt KM4 mit 4:30. Immer noch einen Tick zu schnell. Wir nähern uns dem Sportplatz. Um den letzten Kilometer der Runde voll zu bekommen ist auf dem Rasenplatz im Sportgelände ein Kurs abgesteckt der es gilt zu durchlaufen. Mitten drin sind die fleißigen Helfer vom TVS Eschollbrücken-Eich und zählen die Runden jedes einzelnen Teilnehmers. Im Hintergrund hört man ununterbrochen die markante Stimme von Manfred Kraft. Hier ist jetzt richtig was los, und das wird die Läufer/innen Runde für Runde aufheitern. Allerdings merkt man hier gleich, das Laufen auf dem Rasenplatz ist kräftezehrend. KM 5 ist absolviert. Die Uhr zeit 4:34. Vorbei geht es am Verpflegungsstand. Ich habe vorm Lauf kaum etwas getrunken und muß jetzt dringend nachladen. Doch bis ich im Vorbeiflug kapiere wo was steht, ist auch schon der Tisch zu Ende. Mist, jetzt muß es in der nächsten Runde klappen. Die ersten Runde in 22:24 gelaufen. Viel zu schnell, aber jetzt bin ich ja im Rhythmus.

Runde 2:
Jetzt läuft es wie es sein soll. Im Schnitt 4:34 auf den KM. Ich versuche weiter an der kleinen Gruppe dran zu bleiben. Aber leider wird der Abstand immer größer. Ein paar aus der Gruppe verschwinden schnell zur Pinkelpause, und ich kann nochmal aufholen. Aber bereits auf dem Rückweg zum Sportplatz bin ich wieder eingeholt. Egal, ich ziehe jetzt mein Ding durch. Das hohe Tempo am Anfang war sowie schon nicht sehr geschickt. Außerdem bin ich in meinem Zeitplan mehr als im Soll. Für die zweite Runde benötige ich 22:50. Auf dem Sportplatz sind bereits die ersten 25KM Starter eingetroffen. Jetzt der Getränkestand. Wo ist das Wasser ? Geschafft, endlich Wasser.

Runde 3:
Auf 10KM 45:16 gebraucht, das ist eigentlich zu schnell für mich. Aber es läuft doch. Die Zeiten in Runde 3 sind wieder ein Tick schneller 4:34, 4:25, 4:30, 4:28, 4:32 macht in der Summe 22:33. Zu schnell, das wird nicht lange so weiter gehen. Aber der Puls bleibt niedrig. Im Schnitt um die 153/84%HFmax rum. Also was spricht dagegen so weiter zu laufen. Außerdem werde ich jetzt noch beim Rundendurchlauf von Michael, Gregor, Christian und Harald die auf den 25km Start warten angefeuert. Danke Jungs, das baut auf. Da macht man doch nicht langsamer.

Runde 4:
Eine absolute Glückssache mit dem Verpflegungsstand. Diesmal greife ich Apfelsaft. Na super, das bekommt mir ja überhaupt nicht beim Laufen. Egal, rein damit, ich brauche jetzt irgendwas. Auf das es Blähungen gibt. Für den Streckenposten Gerhard, sieht mein Laufstil immer noch gut aus, obwohl ich da langsam anderer Meinung bin. Immer mehr Läufer/innen überrunde ich bereits. Hoffentlich geht die Rechnung auf. Es ist alles nicht mehr so locker wie am Anfang. Durchlauf an der Sportplatztribüne, die 25KM Starter muntern auf. Diesmal schnappe ich mir einen Wasser Becher. Analyse der Runde: 22:44 ; Gesamtzeit nach 20km 1:30:31. Puls weiterhin im grünen Bereich bei 155/85%HFmax. Ich bin jetzt im Vergleich zum Rodgau Ultra schon über 2 ½ Minuten schneller und liege knapp 2 Minuten vor der geplanten Zeit.

Runde 5:
Dies wird die letzte ruhige Runde werden. Danach kommen die 25km Läufer/innen dazu. Der Plan war, mindestens 1km vor den 25’er zu liegen um nicht unnötigen Überholmanövern und engen Streckenteilen ausgesetzt zu sein. Am Ende dieser Runde werde ich den Gel-Pack mit Wasser runterspülen. Vielleicht bekomme ich den leichten Hänger damit ein bisschen in den Griff. Ich lasse etwas nach. Auch merke ich leichte Probleme am Sprunggelenk. Aber das ist ja nichts neues, und da habe ich ja die Erfahrung gemacht, dass man so was in Wettkämpfen irgendwann ausblendet. Rein in den Sportplatz, Gelbeutel aufgerissen und alles fein runtergeschluckt. Die 25’er scharren schon mit den Hufen, denn bald wird der Startschuss fallen. Jetzt ganz wichtig Wasser nehmen, sonst klappt das nicht mit dem Energie Gel. 25km sind geschafft. Halbzeit, jetzt zählen die KM rückwärts. Wasser im Vorbeiflug am Verpflegungsstand genommen und runter damit.

Runde 6:
Wieder den Anstieg auf den Damm. Das tut jetzt merklich weh, und ich habe meine Mühe oben wieder in Gang zu kommen. Jetzt werden erstmal Hochrechnungen angestellt. Für 25km habe ich 1:53:34 gebraucht. Die letzte Runde war mit 23:03 etwas schwächer. Aber immer noch ein Schnitt von 4:37/km. Das geht noch, aber die Tendenz zeigt, dass ich dieses Tempo nicht mehr lange halten kann. Auch der Puls ist trotz geringerem Tempo weiter geklettert auf 86%HFmax. Mir wird es warm. Ein Glück habe ich mich für die kurzen Sachen entschieden. Nicht auszudenken, was jetzt wäre wenn ich das Winteroutfit anhätte. Die erste Abschnitt auf dem Damm ist für mich fast vorbei, da sehe ich die ganzen frischen 25’er Läufer/innen den Damm rauf kommen. Jetzt bin ich der Gejagte. Das wird nicht lange dauern, dann haben mich die ersten eingeholt. Geschätzter Vorsprung ca. 1300-1500 Meter. Ich muß zu mindestens versuchen, das augenblickliche Tempo zu halten. Es sind noch weit über 20km zu laufen, wie soll ich das nur schaffen ? Im Rodgau hatte ich einen ähnlichen Hänger, dort bin ich irgendwie wieder in Tritt gekommen. Das muß ich hier jetzt auch schaffen. Und irgendwie auf dem langen Stück durch den Wald erhole ich mich ein wenig. Aber das Stück durchs Feld tut weh. Ich wechsele die Spur, aber es ändert sich nichts. Abstecher in den Wald, direkt an der Holzeule. Hier hab ich noch vor einer Woche total entspannt Fotos gemacht. Auch hier stehen Streckenposten und haben aufmunternde Kommentare für mich. Ich bin jetzt wieder etwas besser drauf, ich glaube der Hänger ist überwunden. Sportplatzdurchlauf kommt. KM30, die Uhr zeigt 2:16:30. Die letzten 5km in 22:56. Also nicht schlechter geworden. Auf jetzt, noch 20km dann ist es geschafft.

Runde 7:
Noch schnell mit Cola versorgen, so ein bisschen Zucker kann jetzt nicht schaden. Bäh, was ist das denn ? Malz-Bier. Hmmm, ob das was bringt, oder ob es den Magen nur belastet ? Säuft das nicht die Eishockey Nationalmannschaft Kastenweise ? Ich schluck’s runter, 5 weitere KM ohne was, geht jetzt nicht mehr. Ich verlasse den Damm, da läuft Gabi gerade hoch. Hey super, dann ist Gabi gerade mal 1800 Meter hinter mir. Wahnsinn, die ist voll auf Kurs. Ich drücke die Daumen, dass Sie es durchhält. Die KM Zeiten werden jetzt zu meinem großen Erstaunen sogar leicht besser. 4:34 ; 4:28 ; 4:31 ; 4:32 ; 4:35. Wobei der Puls jetzt weiter steigt, Inzwischen auf 162/88%HFmax. Aber das war klar. Immer mehr Läufer/innen müssen überholt werden. Ganz besonders schlecht ist das auf dem kleinen Trampelpfad nach der Eule. Aber ich möchte auch hier keine wertvollen Sekunden verschenken und überhole im Gestrüpp. Das ist kräftezehrend. Wieder auf den Sportplatz. Ich laufe an der Tribüne vorbei, da höre ich jemanden rufen „auf, ein Platz in der AK winkt“. Wie ? Was ? Bin ich doch so gut auf Kurs ? Jedenfalls habe ich diese Runde in 22:43 geschafft. Die Gesamtzeit steht auf 2:39:13. Das würde ja bedeuten, bei Sub 3:50 fast 1 Stunde 11 Minuten Zeit für 15km. Das ist heute meine Chance. Weiter geht’s.

Runde 8:
Beim Anstieg auf dem Damm kommt mir Christian entgegen, der trotz heftiger Knieprobleme die 25km auf sich genommen hat. Wir machen schnell „shake-hands“. Super Christian, halte durch ! Es wird immer schwierigen nach dem eigentlich lächerlichen Dammanstieg wieder in den Rhythmus zu kommen. Mir wird jetzt echt warm. Beim nächsten Durchlauf werfe ich erst mal die Handschuhe weg. Nach dem Stück neben der Autobahn sehe ich Thomas auf dem Damm gehen ! Oh nein, was ist denn da los. „Hey Thomas, auf weiter, häng dich dran, nicht gehen !“ Er ruft, „es geht nichts mehr.“ Das kann ich nicht glauben. Er hat sich so gequält im Training. Monatsschnitt bei weit über 400km. Das ist wirklich schade, hoffentlich kann er sich noch mal aufraffen und den Lauf zu Ende bringen. Auf eine 4:42 bei KM 36 kommt zum Glück gleich die 4:28 bei KM37. Jetzt muß ich am Ball bleiben, blos nicht nachlassen. Vorbei am Streckenposten vor dem Feld. Die zwei älteren Herren sind mir echt sympathisch. Ganz lässig lehnt der eine am Fahrrad. Ich laufe vorbei, da ruft einer der zwei „du bist neunter.“ „ne kann nicht sein“, „doch, doch neunter“. Ja,ja, vielleicht neunzehnter. Das kommt schon eher hin. Das sind doch so viele vor mir gewesen. Das passt nicht. Oder vielleicht doch ? Mal überlegen, also ganz vorne ist ja der Rene Strosny, dann waren da noch so ein paar, die am Anfang abgegangen sind, als wär’s es ein 5km Stadtlauf. Einer von „Passtschon 98“ hat mich in der 2.Runde mit einen, ja fast schon Gazellenartigen Laufstiel überholt. Und natürlich die Gruppe welche mir in Runde 3 enteilt ist. Also es könnte tatsächlich stimmen. Es könnte aber auch nicht stimmen, und außerdem sind noch über 11km zu laufen. Jetzt konzentrieren und zusammenreißen für die letzten 2 Runden, die es mit Sicherheit gnadenlos in sich haben werden. Nochmal durch den Sportplatz, die „Bonusrunde“ auf dem Rasenplatz wird zur Qual. Da helfen auch kaum mehr die Sprüche von den fleißigen Rundenzählern. Weg mit den Handschuhen. Diese werfe ich einfach beim vorbeilaufen an der Tribüne, in die Richtung meines Läuferbeutels. Mal sehen was die Uhr sagt beim 40km Durchlauf. 3:02:04 Gesamtzeit ; also 22:51 für die Runde. Na das ist doch super, jetzt noch 10km.

Runde 9:
Kaum auf dem Damm, da überholt mich Gregor der auf 25km unterwegs ist, in einer abartigen Geschwindigkeit. Er fragt : „und ? wie lange noch ?“. „noch 10, aber ich bin am Ende“. „Beiß dich durch“ und weg ist er. Nicht zu glauben, ist der gestern Abend nicht noch beim Nightrun mitgelaufen. Wie kann man da heute Morgen so fit sein ? Jetzt kommt der Marathondurchlauf, das ist mal wieder was, wo einen kurz ablenkt von der Qual. Für die letzten 10km habe ich noch fast 48 Minuten zur Verfügung. Ich kann mir jetzt KM Zeiten im Schnitt von 4:48/km erlauben. Aber in diesem Zustand ist eine 4:48 auf den Kilometer so unglaublich anstrengend. Tatsächlich beiße ich mich durch, und schaffe Runde neun mit KM Zeiten von 4:42 ; 4:33 ; 4:40 ; 4:44 ; 4:47. Den Streckenposten rufe ich zu „wir sehen uns noch einmal“. Auf dem „Trampelpfad“ treffe ich noch einmal auf Christian, er zieht trotz Verletzung die 25km bravourös durch, super Christian. Den Marathondurchlauf habe ich ungefähr bei 3:12:20. Das wäre meine 2. beste Marathonzeit. Nicht mal 3 Minuten langsamer als meine Bestzeit. Noch eine Runde, dann bin ich durch. Jetzt noch schnell die Kappe wegwerfen und noch mal ein Getränk nehmen. Aber am Verpflegungsstand ist reger Betrieb. Ich komme gar nicht richtig ran. Ja sind die schon alle fertig ? Nein, die machen Pause. In der Hektik rempele ich noch jemanden, - sorry, das war keine Absicht.

Runde 10:
Ich quäle mich wieder den Damm hoch, Streckenposten Gerhard feuert mich noch mal an. Die letzte Runde. Jetzt wird nicht mehr aufgegeben. Für das Ziel Sub 3:50 bleiben mir noch 24min26sec. Also ein Schnitt von 4:53/km. Ich komme kaum mehr in Tritt auf dem Damm. Nochmal durch die Schleuse. KM46 ich habe eine 4:58 ! Das darf doch nicht wahr sein, so kurz vor Schluß brech’ ich jetzt ein. Ganz locker bleiben, noch mal das letzte rausholen. Das wäre ja noch schöner. Es geht steil den Damm runter. Es kommt mir vor, als wären die Füße kurz vorm platzen. Wieder hoch. Noch einmal die Damm Schneise durchlaufen. Ich komme mir so langsam vor. Auf jetzt, hast du dafür die ganze Zeit trainiert, um jetzt den Lauf mit über 3:50 zu beenden. Niemals ! Runter vom Damm KM47 mit 4:48. Naja geht gerade noch so. Machs gut Gerhard, du warst super, danke ! Das lange Stück im Wald. Noch 3km, das ist doch eigentlich ein Klacks. Jetzt reiß dich zusammen, in spätestens 15 Minuten ist das Ding hier durch. Immer noch muß man andere Läufer/innen überholen. Jeder Schritt ist jetzt zuviel. Es geht auf das Feld zu. Noch mal die zwei älteren Streckenposten. Macht’s gut Ihr zwei, ihr wart klasse, danke für die Unterstützung. KM48 mit 4:45 absolviert. Jetzt noch 2km. Läppische 2km, die mich echt an die Grenze des machbaren bringen. Ein Glück das Feld ist vorbei. Noch mal rein auf den Trampelpfad. Schon wieder überholen im Gestrüpp. Egal jetzt. Gleich kommt KM 49. Ich kann das Schild schon sehen. Es wird eine 4:57. Nicht nachlassen. Durchziehen. Ich habe für den letzten Kilometer genau noch 4 Minuten 57 Sekunden Zeit. Ziehen wir mal 5 Sekunden vom Start ab, dann wäre ich mit einer 4:50 auf der sicheren Seite. Los, quäl dich. Rein auf das Sportgelände. Ich mobilisiere alles. Versuche die Arme noch mit einzusetzen. Vorbei an den Rundenzählern. Einer ruft : „Ziel hier lang“. Oh, fast hätte ich noch den richtigen Weg verpeilt. Das muß reichen, ich bleibe unter 3:50 ! Ich bin schon auf der Bahn. Das können höchstens noch hundert Meter sein. Ich ziehe noch mal an. Das Ziel ist zum greifen nah. Geschafft. Ja, ja, ja, ja. 3:49:42. Ich hab’s tatsächlich in der geplanten Zielzeit geschafft. Ich kann es kaum glauben. Das ist der Wahnsinn. Über 4 Minuten schneller als vor 2 Monaten im Rodgau.

Völlig neben der Spur, gehe ich zu meinem Läuferbeutel und hole schnell Jacke und Hose zum überziehen gegen die Kälte. Ich habe mein Möglichstes getan, jetzt heißt es abwarten, was diese Zeit am Schluß wert ist. Vielleicht reicht es zu einer Platzierung in der Altersklasse. Gregor ist schon im Ziel, er ist die 25km in der Hammerzeit von 1:43:57 gelaufen. Unglaublich ! Jetzt wird sich erstmal über das Ziel Büffet hergemacht. Schokolade, Kekse, Malzbier alles da. Jetzt kommt auch Michael in Ziel. 2:02:48 ist für Ihn eine super Zeit. Glückwunsch ! Nun müßte doch auch Gabi bald eintreffen. Ihr kann heute der ganz große Coup gelingen. Da kommt Sie auch, klasse. Zieh durch die letzten Meter. Sie hat es geschafft. In 4:06:01. Und es hat Sie keine Frau überholt ! Also Gesamt Platz 1 der Frauen !!!! Ja !!!! Das ist nun wirklich der Oberhammer. Super gemacht Gabi ! Duschen, dann ab zur Siegerehrung und zum feiern ! Die Duschen sind wie im Rodgau nur mit kaltem Wasser. Aber das belastet mich heute nicht mehr. Ich packe gerade meine Sachen zusammen, da kommt auch Thomas in die Umkleide. Er hat den Lauf tatsächlich noch durchgezogen. Klasse ! Ich gehe nach draußen, da kommt mir auch schon Gregor entgegen und gratuliert mir zum 2.Platz in meiner AK. Nein, das kann nicht sein. Ich gehe zu den Ergebnislisten. Es stimmt. Jawohl !!!!! 2. Platz hinter Rene Strosny dem Gesamtsieger der Männer. Zum ersten Mal aufs Treppchen gehen….ich bin total happy. Und Greger, ja der hat den 1. Platz in seiner AK über die 25km erreicht. Es ist der Wahnsinn heute. Also nichts wie hin, zur Siegerehrung. Schade dass Christian, Michael und Harald schon nach Hause gegangen sind.

Was für ein geiler Tag! Gregor, Thomas, Gabi, Frank
Was für ein geiler Tag! Gregor, Thomas, Gabi, Frank