Samstag, 3.August 2013

10.Gernsheimer Fischerfestlauf


Fischerfest Logo 2013

Jedes Jahr findet ganz in meiner Nähe das Gernsheimer Fischerfest statt. Seit 2004 gibt es jeweils am Samstagnachmittag einen 10km Stadtlauf. Zum letzten mal war ich hier in 2009 am Start. Hatte ich doch die 10km Wettbewerbe völligst außer acht gelassen, und mich voll und ganz auf die Marathons konzentriert. Auch in diesem Jahr liegt der Schwerpunkt natürlich auf den Marathonläufen, aber um Tempohärte und Grundschnelligkeit zu verbessern, habe ich in diesem Jahr den einen oder anderen ungeliebten 10'er oder Halbmarathon eingeschoben.

Es gibt keine besondere Vorbereitung für diesen Lauf. Das Training ist seit Wochen auf das 100km Debut in Leipzig am 17.August ausgelegt. Erst letzte Woche hatte ich den Halbmarathon in Hausen spontan eingeschoben, und war überrascht welche Zeit man aus dem vollen Marathontraining heraus laufen kann. Somit rechnete ich mir für Gernsheim eine Zeit knapp unter 40 Minuten aus.

Leider meint es das Wetter nicht gut für uns Läufer/innen. Eine erneute Hitzewelle läßt die Temperaturen am Freitag vor dem 10'er auf fast 38°C steigen. Eine lockere Runde im Groß-Gerauer Nordwald über 16km haut mich total um. Am Wettkampf Samstag dann nur leichte Besserung. Das Thermometer klettert an die 30°C Marke. Dazu kommen leider wieder gesundheitliche Probleme mit chronischen NNH. Mir dröhnt der Kopf, die Ohren drücken. Versuche den Tag noch irgendwie zu relaxen und nicht mehr viel zu machen. 

Um 15:30Uhr gehe ich aus dem Haus, ein Hitzeschwall kommt mir entgegen. Na prima, das kann ja lustig werden! Die Strecke in Gernsheim ist komplett in der Sonne! Gegen 16Uhr bin ich am Stadion. Bisschen anstehen in der Sonne für die Startnummern Ausgabe. Endlich dran! Für die Voranmelder gibt es diesmal sogar ein schönes Funktionsshirt! Da hat man sich zur 10.Ausgabe nicht lumpen lassen! Die Baumwolle Shirts aus den Starts in 2007,2008 und 2009 hatte ich allerhöchstens als Schlafshirt benutzt. Aber das hier, Donnerwetter! Das macht was her! Überhaupt ist mit 9 Euro die Startgebühr sehr preiswert. Denn auch die Zielverpflegung mit alkfrei Weizen, Wasser und isotonischen Getränken läßt keine Wüsche offen. Und wer nach dem Lauf das Fischerfest besucht, bekommt gegen Vorlage der Startnummer sogar noch ein richtiges Bier gratis!

Jetzt mal zurück zum Auto. Ich muß mich noch umziehen und für den Lauf fertig machen. Ich treffe auf Laufkumpel Gregor vom TV Hergershausen und sogar einen alten Klassenkameraden, der hier inzwischen seinem Sohn beim Hauptlauf zusieht. Oh je! Ich werde alt!

Wie schon beim Halbmarathon in Hausen, laufe ich diesmal nicht auf dem bewährten Marathonschuh Asics DS Trainier 17, sondern auf dem etwas leichteren und direkteren Brooks Racer ST5.

Fertig umgezogen und bereit zum Lauf befinde ich mich im Start/Ziel Bereich. Aber es kann noch nicht gestartet werden. Eine lange Schlange hat sich bei der Startnummernausgabe gebildet. Über den Lautsprecher höre ich die Ansage, dass aufgrund des großen Andrangs der Start um ein paar Minuten verschoben werden muß! Na prima! Weiter in der Hitze warten. Nix zu trinken dabei. Aber nur mit 5 minütiger Verspätung geht es nun zur Startaufstellung. Ich versuche sehr weit nach vorne zu kommen. Gerade bei Volksläufen wie in Gernsheim gibt es viele Fußball oder Handball Vereine, welche komplette Mannschaften stellen. Da wird es schwer von hinten durchzukommen. Außerdem gibt es hier keine Nettozeit Messung, sondern den klassischen Zielkanal. Die Zeit läuft für alle mit dem Startschuss. 


Lange Schlage bei der Startnummernausgabe. Der Lauf startet mit etwas Verspätung
Laufkumpel Gregor ist auch wieder am Start in Gernsheim

links: Lange Schlage bei der Startnummernausgabe. Der Lauf startet mit etwas Verspätung 
rechts: Laufkumpel Gregor ist auch wieder am Start in Gernsheim

Start:

Der Startschuss fällt. Eine Runde auf der sehr schlechten Aschenbahn im Stadion muß noch gelaufen werden. Die Bahn ist voll mit Läufer/innen und ich kann nicht die Innenbahn nehmen, muß zum überholen ein paar Meter mehr in Kauf nehmen. Jetzt folgt ein kleiner Anstieg rauf zum Rheinpark. Kleine Schleife und schon wird KM1 mit einer 3:50min abgedrückt. Viel zu schnell, da bin ich gleich platt bei 29°C und die Sonne knallt auf den Kopf.

Vorbei am Feuerwehrstützpunkt, weiter neben dem Hochwasserdamm. Die ersten Läufer welche sich überschätz haben werden überholt. Abzweig in die Burgunderstraße durch das Wohngebiet im Süden von Gernsheim. KM2 in 3:52min immer noch sehr schnell. Puls ist für dieses Tempo mit 160 (90%) noch recht gut. Die Hauptstraße wird überquert. Weiter in der Sudetenstraße zur Bahnlinie runter. Viele Gernsheimer stehen mit dem Gartenschlauch an der Strecke und sorgen so für eine willkommene Dusche.

Parallel zur Bahnlinie Mannheim-Frankfurt führt nun die Strecke in nördliche Richtung. Immer wieder kann ich den einen oder anderen Läufer überholen. Bereits enteilt aber noch in Sichtweite ist Laufkumpel Gregor, der 37:xx 10'er Zeiten vorzuweisen hat. Also wenn ich da dran bleiben kann, bin ich echt gut dabei. KM3 wieder in 3:52min. Aber es wird jetzt zäh! War ja auch klar! Wie kann man bloß so ein Tempo bei diesen Temperaturen vorlegen? Das bekomme ich ja nicht mal im Intervalltraining bei halbwegs normalen Bedingungen hin. Vielleicht hilft ja die Unterstützung in der Stadtmitte weiter.

Abzweig zum Stadtkern. KM4 ist mit 3:55min weiterhin auf Kurs Sub40. Die Stimmung wird besser. In der Innenstadt müssen 3 Runden gelaufen werden, bevor es wieder zurück zum Stadion geht. Man hat den Innenstadtkurs leicht modifiziert. Waren es früher 6 Abzweigungen und eine langgezogene Kurve, sind es jetzt nur noch 4 Abzweigungen und die langgezogene Kurve. Das macht diesen Abschnitt eindeutig schneller.

KM5 in 3:58min gestoppt. Gesamtzeit 19:28min. Die erste Runde ist noch relativ unproblematisch zu laufen. Aber nun in Runde 2 wird die Strecke durch die hinzukommenden langsameren Läufer/innen voller. Immer mehr Manöver sind nötig, aber alles noch machbar. Da hab ich schon schlimmeres erlebt. Am Wasserstand wird die eine Hälfte vom Becher getrunken, die andere über den Kopf geschüttet. Ich hab hier jetzt wirklich zu beißen. Die Führenden ziehen gerade an mir vorbei und dürfen schon wieder zurück zum Stadion.

Noch eine Runde muß ich hier laufen. KM6 wird eine 4:00min. Noch einmal die Zuschauerunterstützung an der Strecke mitnehmen. Wasser rein, Rest über den Kopf. Kurzer Bremser beim Abzweig in die Riedstraße durch langsamen Läufer. Aber jetzt ist die Bahn frei. Die Innenstadt ist erledigt. Zurück zum Stadion! Vor mir ein Läufer an den ich langsam ran kommen, und weiter vorne ist wieder Gregor in Sicht. Das zieht gut. Obwohl der Läufer beim Abzweig an der Bahnlinie über den Bürgersteig abkürzt, kann ich wenig später an Ihm vorbei gehen. KM7 in 3:44min gelaufen. Ich werd' wahnsinnig.

27:12min steht auf der Uhr. Noch 3km sind zu laufen. Ich rüttel an meiner 10'er Bestzeit von 39:14. Gelaufen dieses Jahr beim Groß-Gerauer Frühjahrslauf bei 2°C. Heute sind es 29°C und wenn ich diese 3km nur im 4'er Schnitt laufe, dann pack' ich ne neue PB. Los weiter, es sind nur 3km. Wieder unter der Dusche durch, jede Abkühlung hilft. Abzweig in die Sudetenstraße, Helfer reichen mir Wasser entgegen. Nee, nix mehr saufen. Nächstes Getränk ist ein Bier im Ziel!

Wieder jemanden überholt. Ob ich das noch so bis zum Schluss durchhalten kann? Es ist jetzt wirklich das Limit. KM8 in 3:54min. Los, noch 2km! Hier kann heute der ganz große Coup gelingen! Über die Hauptstraße rüber, weiter zum Damm. Ja, das glaub ich einfach nicht. Ich komme sogar wieder näher an Gregor ran. Abzweig am Damm. Weiter kämpfen! Es ist bald gepackt, das muß ich jetzt durchziehen. So eine Chance bekomme ich nie wieder! Wo bleibt nur die "9"? Leichter Anstieg rauf zum Feuerwehrstützpunkt. KM9 in 3:59min. Gesamtzeit 35:05min.

Wenn ich den letzten Kilometer noch durchziehen kann, dann packe ich heute locker eine neue PB. Oder vielleicht sogar Sub 39? Nee, das ist ein Ding der Unmöglichkeit. Da müßte ich ne 3:54min auf dem letzten KM laufen. Nicht in diesem Zustand. Die letzten Reserven werden mobilisiert. Mann bin ich platt, da geht wirklich nur noch dieser letzte Kilometer. Auf, ziehen, ziehen, ziehen. Weit ist das nicht mehr. Die Wende im Rheinpark ist erreicht, nochmal kurzer leichter Anstieg. Da ist mir doch jemand auf den Fersen? Der kommt immer näher. Wo nimmt der denn die Kraft her? Da schließe ich immer weiter auf Gregor auf, und da kommt ein ganz anderer von hinten an.

Nochmal alles in die Waagschale werfen. Leichtes Gefälle runter zum Stadion. Nur noch die eine Gerade zum Zielbogen. Die Ziel Uhr zeigt 38:35min. Vielleicht noch gut 100 Meter zu laufen. Endspurt und ich schaffe die Sub 39! Der Läufer überholt mich sogar noch auf der Aschenbahn. Aber das ist mir jetzt furz piep egal. Ich denke jetzt nur noch an die Sub 39! Mit der allerletzten Kraft laufe ich auf den Zielbogen zu. Das wird reichen! Wie geil ist das denn? Rein in den Zielkanal. Jubeln und geschafft! 38:53 die Zielzeit. Das ist ja total krank! Neue PB, Sub 39 und das bei 29°C.


Die letzten Meter auf der Aschenbahn zum Ziel
Ich werd verrückt. Neue 10'er PB und Sub 39 bei 29°C.

links: Die letzten Meter auf der Aschenbahn zum Ziel  rechts: Ich werd verrückt. Neue 10'er PB und Sub 39 bei 29°C.

Was für ein geiler Tag. Erst mal 3-4 alkfreie Weizen abpumpen, kurzer Ziel Plausch mit Gregor. Nach dem Duschen wird die Freude noch größer. Platz 14 insgesamt und Platz 3 in der AK! Na dann, ab ins Festzelt zur Siegerehrung. Noch ein 6'er Pack alkfreie Weizen abkassiert und dann hoch zufrieden nach Hause. Dort gibt es dann erst mal ein richtiges Weizen