Sonntag, 21.Juli 2013

41.Hornisgrinde-Marathon


Hornisgrinde Logo 2013

2.Start im Nordschwarzwald beim Hornisgrinde Marathon. Ganze 2 Wochen nach Marburg Marathon und dem 10'er in Dieburg. Das Training wurde nicht geändert, immer noch ist der Schwerpunkt voll und ganz auf den 100'er in Leipzig am 17.August ausgerichtet.

1.Woche 115,5km (inkl.17,5km/470Hm Berg/Hügel Training im Odenwald)
2.Woche 94,9km (inkl. Hornisgrinde Marathon)

Der letzte Intervall-Test 4 Tage vor dem Marathon war eher ernüchternd, und dämpft die Erwartungen für den Sonntag etwas. Anhaltend hohe Temperaturen bis an die 30°C Marke kommen noch mit dazu.

Noch etwas platt von den letzten Trainingswochen aber diesmal ohne ernstere orthopädische Probleme. Lediglich ein leichtes ziehen im rechten hinteren Oberschenkel hatte sich im Training bemerkbar gemacht. Ein Kinesio Tape sollte hier für Sicherheit sorgen. Die entzündeten Fußballen vom Marburg Marathon haben sich inzwischen relativ gut erholt. 


Der Hornisgrinde Marathon ist wirklich nichts für Frühaufsteher. Aber diesmal bin ich echt froh, dass der Start schon um 8:30Uhr ist. Der Wetterdienst hat bis zu 30°C vorhergesagt. Aufstehen um kurz vor 4 Uhr. In aller Ruhe gemütlich frühstücken. 2 Brötchen mit Honig, Banane und Ei. Dazu viel Kaffee. Wasser hatte ich bereits am Samstag übermäßig viel getrunken, um hier schon mal ordentlich hydriert zu sein. Kurz nach 5 Uhr geht die Fahrt in den Schwarzwald los. Kurzer Toiletten Zwischenstopp auf dem Rastplatz nähe Baden-Baden, und pünktlich um 7:15Uhr bin ich auf dem Parkplatz Hundseck angekommen. Gleich mal rauf zum Start/Ziel Bereich die Startnummer holen. Immer wieder trinke ich weiter Wasser und bis zum Start habe ich bereits weitere 2 Liter abgepumpt.

Zu meiner Überraschung treffe ich auf Sven und Kathrin. Die beiden sind 1 Jahr durch die ganze Welt getingelt. Sind unter anderem Marathons/Wettbewerbe in den USA, Hawaii, Japan, China, Taiwan und Korea gelaufen. Wahnsinn! Da gibt es natürlich viel zu erzählen. Gerade mal 2 Tage wieder in Deutschland und schon steht der Hornisgrinde Marathon auf dem Plan. Respekt!

Noch schnell umziehen, einen Riegel futtern und ab zum Startplatz. Zielzeit für heute hab ich mir mit unter 3:10 gesetzt. Im letzten Jahr lief ich an gleicher Stelle 3:10:22. Allerdings waren die Bedingungen mit 10°C bei Start und 18°C im Ziel ja geradezu traumhaft. Wir haben jetzt schon 22°C und das wird noch ordentlich warm werden.


wieder gut besucht, der Hornisgrinde Marathon im Nordschwarzwald
Sven und Kathrin tingeln ein Jahr durch die ganze Welt und das erste was die beiden wieder in Deutschland machen ist ein Marathon laufen!

links: wieder gut besucht, der Hornisgrinde Marathon im Nordschwarzwald 
rechts: Sven und Kathrin tingeln ein Jahr durch die ganze Welt und das erste was die beiden wieder in Deutschland machen ist ein Marathon laufen!

Das Bühlereck füllt sich
Bereit zum 2.Start im Nordschwarzwald

links: Das Bühlereck füllt sich  rechts: Bereit zum 2.Start im Nordschwarzwald

8:30 Uhr Start:

Der Start erfolgt auf 900m Höhe direkt unterhalb vom Mehliskopf. Es ist hier wichtig relativ weit vorne zu stehen, denn auf den ersten KM wird es schwer im Pulk zu überholen.

Zuerst muß noch ein kleiner Anstieg von ein paar hundert Metern genommen werden, dann geht es zum größten Teil bergab bis KM25. Ich bin in guter Position, zähle schon mal die Läufer welche vor mir sind. Platz 9, da bin ich ja gut weg gekommen. Die ersten 6 machen die Pace und setzten sich bereits etwas ab. KM1 in 4:01 und KM2 in 3:57min/km. So hatte ich mir das in etwa vorgestellt. Kurzes Stück bei "Sand" jetzt auf der Schwarzwaldhochstraße, jedoch gleich wieder rein in den Wald. KM3 mit 3:52min sehr schnell im Gefälle. Inzwischen konnte ich zwei weitere Läufer überholen und bin nun auf der 7.Position. Ich quatsche kurz mit einem Läufer, er will um die 3:10 laufen, genau wie ich. Die Strecke wird nun eben, wir passieren die Häuser von Plätting Bühlerhöhe. Ein erster knackiger Anstieg muß überwunden werden. Ich kann an der Steigung weiter an Boden gutmachen und habe sogar Position 6 in Sichtweite.

Verläuft die Strecke kurz außerhalb vom Wald, merkt man sofort die Temperaturen. Mir kommen erste Zweifel ob ich nicht im 2.Teil der Strecke total untergehe. Auf jeden Fall hole ich mir mal die 6.Position, denn der Läufer kann das hohe Anfangstempo nicht mehr mitgehen. KM4-7 ist wieder fast eben. Entsprechend die Pace um die 4:15min/km. Ich höre Schritte von hinten, da kommen zwei Läufer an. Und was soll ich sagen, einer der beiden ist mein Laufkumpel Sven. Der alte Fuchs. Macht noch vor dem Start einen auf Understatement, von wegen Jetlag und 3:30 als Zielzeit und jetzt zieht er mit mir gleich. Die Strecke ist wieder abschüssig. Wir quatschen ein bisschen, und schon kommt der 10km Marker. Die Uhr steht auf 41:06min. Das sind 47 Sekunden schneller als letztes Jahr.

Laufkumpel Sven mag nicht mehr weiter reden, somit ergreife ich die Initiative und erhöhe die Pace. Mit 3:57min für KM11 im Gefälle vergrößert sich der Abstand. Scharfer Abzweig am Waldgasthaus Scherrhof, dem beliebten Ausflugsgasthof für Wanderer. Schnell den Wasserbecher am Verpflegungsstand geschnappt und dran bleiben. Die Strecke ist wieder eben und somit bin ich mit 4:13min für KM12 voll zufrieden. Aber jetzt kommt der erste langgezogene Anstieg. Da merkt man ganz schön den Kräfteverschleiß. Außerdem höre ich immer noch Schritte hinter mir. Einer ist noch dran. Jetzt darf ich keine Schwäche zeigen, das wäre psychologisch sehr schlecht. 4:30min ist ok für diesen Abschnitt. Die Verfolger sind scheinbar abgeschüttelt.

Ein ständiges auf und ab der Strecke macht es nicht gerade einfach. Sogar 600 Meter müssen abseits des Weges auf einem Trampelpfad gelaufen werden. Hier kann man nicht überholen, aber ich laufe ja sowieso alleine. Trotzdem höchste Vorsicht wegen Wurzeln oder anderen Stolpersteinen. An die vielen Tannenzapfen hab ich mich schon gewöhnt. Scharfe V-Kurve vor der „roten Lache“, die Passhöhe der Bundesstraße L79. Nochmal Wasser am VP aufnehmen und weiter ganz alleine auf der Strecke. Zum Glück sind die Hinweispfeile und Markierungen in diesem Jahr etwas deutlicher als in 2012. Trotzdem beruhigt es doch ungemein, wenn das nächste KM Schild auftaucht.

Bis KM19 hält sich das Höhenprofil die Waage, aber jetzt muß man ca. 3km lang "beißen". Die Strecke steigt an. Erst langsam, dann immer mehr. Ich höre wieder Schritte von hinten. Da ist mir wieder jemand auf den Fersen. Die Pace pendelt sich in diesem Abschnitt um die 4:35/4:40min/km ein. Das ist noch gut. Aber bloß nicht zu viel Kraft verlieren. HM Durchlauf mit 1:29:32. Das ist nur noch 23 Sekunden schneller als letztes Jahr. Also ein kleines bisschen nachgelassen. Wieder ein kurzer Abschnitt auf einem Trampelpfad. Da fragt man sich echt ob das der richtige Weg ist. Es ist der richtige Weg! Ich komme am nächsten VP raus. Schnell Wasser im vorbeilaufen für das 1.Gel. Ich höre den Streckenposten im Hintergrund vom VP rufen: "Platz 7 und 8". Also sind sogar 2 Läufer dicht hinter mir.

Ich darf jetzt echt nicht die Nerven verlieren, muß mein Ding durchziehen. Versuchen das Gefälle runter zum Stausee zu nutzen um ein wenig neue Kraft zu sammeln. Ganz weit vor mir kann ich sogar einen weiteren Läufer erkennen. Der Abstand wir weniger! Der hat sich übernommen! Bei KM23 gehe ich an ihm vorbei. Super! 5.Platz! Ja wenn ich die anderen hinter mir lassen kann. Das wird nicht einfach werden. Aber erst mal geht es mit Pace 4:05min/km runter zum Stausee.

Nächster VP am Stausee. 500m Wendepunktstrecke am See. Vom Wendepunkt kommen mir jetzt schon 3 Läufer entgegen. Sonst niemand mehr. Also hat der Führende bereits einen sehr großen Vorsprung. Die niedrigste Stelle des Hornisgrindemarathon ist bei KM25 erreicht. Jetzt geht es nur noch rauf! Zurück am Wendepunkt. Oh je! Da sind ja haufenweise Läufer auf der Gegenseite hinter mir her. Ob ich den Abstand halten kann? Ich bin jetzt echt platt. Auf komm! Zusammenreißen, noch 17km!

Die Sonne knallt jetzt auf den Kopf. Der Teil am Stausee ist nicht im Schatten. Entsprechend die Pace auf fast 4:30min/km angestiegen. Der nächste Marker kommt. Hä? Was war das denn? KM25? Das muß doch die "26" sein! Cool bleiben, der nächste Marker wird wieder richtig sein! Die Strecke steigt an. Ich hab jetzt mächtig zu kratzen. Meine Verfolger scheinbar auch, denn ich kann niemanden hinter mir sehen oder hören. Ich baue ab. 4:35min für den nächsten KM. Und wieder stimmt das Schild nicht! Jetzt steht hier die "26" und eigentlich sind wir doch schon bei "27". Ja bin ich blöd! Bin ich irgendwo eine Ehrenrunde gelaufen? Der Forerunner sagt auch 27km. Ja was ist denn hier los? Das wird sich bestimmt bald aufklären!

Der Kilometer rauf zum Behelfs Staudamm über den Schwarzenbach „Herrenwieser Schwallung“ wird mit 4:47min immer bedenklicher. Und wieder ist der KM auf dem Schild falsch. Beim vorbeilaufen rufe ich einem Streckenposten zu: "die KM Marker sind falsch! Wir sind hier schon bei KM28!" Keine Reaktion vom Streckenposten. Kurz vor der Querung der Bundesstraße L83 gibt es noch einen Versorgungspunkt. Allerdings sieht man den so spät, und die Helfer reichen auch keine Getränke, so dass ich hier leer ausgehe. Verdammter Mist! Es wäre so wichtig gewesen nochmal Wasser aufzunehmen. Aber anhalten kostet zu viel Zeit. Ich muß es so packen.

Über die abgesperrte Bundesstraße zum Schlussabschnitt. Jetzt wird es extrem. Das ist mir noch gut in Erinnerung. 30Hm für die nächsten 800m müssen gelaufen werden. Ich höre Applause vom Verpflegungspunkt, also Vorfolger gibt es auch noch. Ein Grund mehr hier alles in die Waagschale zu werfen. Rauf geht es mit allen Mitteln. Die vorläufige Kuppe scheint erreicht zu sein, der Weg wird erst mal eben. 4:54min für KM29 (bzw. 28 lt. Schild). Jetzt neue Kräfte sammeln für den nächsten Anstieg. Aber was ist das? Der Weg ist ganz neu geschottert! Das darf doch nicht wahr sein! Die Steine bohren sich in die Schuhe. Das macht keinen Spaß mehr! Und es hört auch nicht auf! Das ist ja schlimmer als das Kopfsteinpflaster beim Köln Marathon nach der Domplatte!

Scheinbar hab ich den Anstieg gut verkraftet. KM30 (29) mit 4:25min/km ist wieder im Soll. Für mich völlig überraschend kommt ein Verpflegungspunkt. Super, das passt! Nochmal im vorbeilaufen ein Gel mit Wasser rein und weiter geht's! Leicht ansteigend die Strecke, bis KM33 halte ich die Pace um die 4:40min/km. Die KM Schilder sind weiterhin falsch, aber das kratzt mich jetzt nicht mehr. Es überholt keiner und andere Läufer/innen sind auch nicht auf der Strecke. Also müßten ja alle falsch gelaufen sein.

Wirklich gar nichts los auf und an der Strecke. Ich kämpfe nur gegen mich selbst und die Ermüdung. Jeder KM Marker ist eine Erlösung, auch wenn das falsche drauf steht. Die Pace geht stark auf 4:50min/km zu. Jetzt nicht hängen lassen. Noch langsamer darf ich nicht werden! Bei KM36 gibt es nochmal Wasser. Rein damit und über den Kopf. 4:51min für den letzten KM. Das haut jetzt auch rein. ca.20HM pro KM sind augenblicklich zu überwinden. 4:54min für KM37. Nicht locker lassen, es sind nur noch 5km. Ein Fahrrad kommt mir entgegen. Eine Frau ruft "du bist 5." Also tatsächlich 5.Platz. Los jetzt, das lasse ich mir nicht mehr vom Brot nehmen. Und so wie das aussieht schaffe ich ne Sub 3:10 ganz locker!

5km den Berg rauf, hab ich doch alles trainiert im Odenwald, zig mal den Melibokus rauf gelaufen. Und das hier pack ich auch noch! 4:50/4:44min für KM38/39 ist echt top. Und was ist das? Ein Läufer ganz weit vorne ist zu sehen. Los, den hol ich noch ein! Das setzt die letzten Kräfte frei. 4:32min für KM40 und ich bin ganz dicht dran. Weiter dranbleiben! Er kommt immer näher, scheinbar ist er platt. Ganz locker und ohne große Mühe kann ich an ihm vorbei ziehen. Platz 4!

KM41 in sage und schreibe 4:12min abgedrückt. Aber jetzt gibt es nichts mehr zu lachen. Das beste kommt zum Schluss. Der letzte finale Anstieg zum Ziel vom 50Hm steht an. Die Strecke wechselt auf die Bundesstraße. Hier hat man mit Hütchen eine kleine Spur für die Läufer gemacht. Kurze Schritte machen und bloß nicht gehen! Es ist die Hölle, aber der Gedanke dass gleich alles vorbei ist, läßt einem hier weiterlaufen. Ganz weit vorne, da läuft Platz 3. Aber das ist zuviel des guten, den pack ich nicht mehr. Er biegt schon ein zum Zielgelände. Ich hab es auch fast geschafft. Die Abzweigung ist zum greifen nahe. Hier gibt es jetzt auch wieder Zuschauer Unterstützung.

Abzweig zum Zielgelände, der letzte Anstieg, vorbei an der Gaststätte "Hundseck". Der Zielkanal ist vor mir. Jetzt darf gejubelt werden! Platz 4! Das ist meine beste Marathonplatzierung. Der Zielbogen wird durchlaufen. Die Uhr zeigt 3:07:23. Ziel von Sub 3:10 locker gepackt und das bei 28°C im Ziel. Platz 4 insgesamt und Platz 2 in der Altersklasse. Was für ein geiler Tag!


brutal! auf den letzten KM müssen 50Hm überwunden werden
fast geschafft, der Abzweig zum Start/Ziel Gelände

links: brutal! auf den letzten KM müssen 50Hm überwunden werden  rechts: fast geschafft, der Abzweig zum Start/Ziel Gelände

Zieleinlauf
Hornisgrinde Marathon 2013 in 3:07:23 gefinished

links: Zieleinlauf  rechts: Hornisgrinde Marathon 2013 in 3:07:23 gefinished

Zum Duschen geht es wie immer nur über den "Trailpfad". Extrem schwierig zu gehen nach einem gelaufenen Marathon. Jeder der schon mal dort war, weis wovon ich rede. Nochmal hoch zum Start/Ziel Gelände zur Siegerehrung und warten auf die Ergebnislisten. Ich plaudere in der Zwischenzeit mit dem Sieger der M70 Karl Heinz Kern. Der 74. jährige ist hier eine 4:19:59 gelaufen! Das muß man sich mal reinziehen. Für mich der wahre Sieger des Hornisgrinde Marathons. Die Ergebnislisten hängen nun aus. Gerade mal 1 Minute 16 hat auf den 3.Gesamtplatz gefehlt. Schade, aber ich komme nächstes Jahr bestimmt wieder ins Bühlertal.