Sonntag, 21.September 2014

32.Baden Marathon Karlsruhe


Karlsruhe Logo 2014 gross

Nur eine Woche nach dem Münster Marathon gibt es schon wieder die Möglichkeit, auf einer schnellen Strecke, eine gute Zeit zu erreichen. Klar, die Sub3 von Münster ist hier nicht mehr drin, aber so um die 3:10 sollte auch eine Woche nach dem Münster Kraftakt möglich sein. Der Trainingszustand unter der Woche ist natürlich nicht mehr der Beste, aber dennoch bin ich zuversichtlich und freue mich auf den 32.Baden Marathon in Karlsruhe. Gekostet hat mich der Startplatz keinen Cent, da ich in 2013 Opfer der "Bahnschrankenkatastrophe" bei KM16 wurde. Nochmals hier Daumen hoch für Marathon Karlsruhe e.V., die ohne groß zu mucken, jedem "Geschädigten" einen Freistart angeboten hatten. 

Die Schmerzen im rechten Fußaußenrist waren fast weg. Allerdings kam ein ganz anderes, viel schlimmeres Problem hinzu. Halskratzen am Freitag. Heftige Halsschmerzen und Druck auf den Ohren am Samstag. Na super. Ist ja auch kein Wunder. Irgendwann mußte es mal passieren, wenn auf der Arbeit so viele "Halbkranke" Ihre Bazillen verstreuen. Was jetzt? Absagen? Körperlich fühle ich mich noch halbwegs normal. Auf jeden Fall, erst mal das volle Programm mit Tee trinken, Halstabletten, ausruhen und früh ins Bett gehen. Ja sogar das Bundesliga Top Spiel am Samstagabend Mainz 05 - Borussia Dortmund, lasse ich trotz Dauerkarte sausen. Alles für den Marathon!


Notfallmaßnahmen gegen die Erkältung
Standard Marathonfrühstück

links: Notfallmaßnahmen gegen die Erkältung  rechts: Standard Marathonfrühstück


Um 4Uhr klingelt schon der Wecker. 6 Stunden Schlaf müssen reichen. Ich kann nicht genau sagen, ob es mir besser oder schlechter geht. Erst einmal eine Halstablette eingeworfen, damit das krächzen in der Stimme weggeht. Also fit bin ich natürlich nicht. Aber so richtig k.o. auch nicht. Wie immer folgt die Standard Prozedur mit Frühstück, Sachen packen und letztendlich die Fahrt über 120km nach Karlsruhe. Ich schiebe mir ein Hustenbonbon nach dem anderen rein, damit der Hals nicht austrocknet. In Lampertheim noch schnell Laufkumpel Horst eingesammelt. Um 7:30Uhr stehen wir bereits in Karlsruhe, auf einem der bestens ausgeschilderten Parkplätze. Noch 10 Minuten Fußmarsch zur Europahalle. Die Startunterlagen gibt es diesmal im Foyer der Europahalle, da die Halle selbst renoviert wird. Eine improvisierte Marathonmesse befindet sich diesmal vor der Halle in einem großen Zelt. Vereinskumpel Dirk trifft auch noch ein, dann kann es ja losgehen. Umziehen, Tasche abgeben und rein in den Block A.       


Die Europahalle befindet sich in der Renovierung. Lediglich das Foyer kann genutzt werden.
Lange Wartezeiten für das kostenlose Shirt

links: Die Europahalle befindet sich in der Renovierung. Lediglich das Foyer kann genutzt werden.
rechts: Lange Wartezeiten für das kostenlose Shirt


Karlsruhe wurde 2010 sogar ausgeszeichnet
Improvisierte Marathonmesse im Zelt

links: Karlsruhe wurde 2010 sogar ausgeszeichnet  rechts: Improvisierte Marathonmesse im Zelt


9:00Uhr Start:

Hatte es noch die ganze Nacht in Strömen geregnet, klart der Himmel zum Marathonstart auf, und es wird trocken bleiben. Wie üblich in Karlsruhe, werden vorm Start, die Starter/innen durch den Moderator Georg Schweitzer aufs Korn genommen. Der Startplatz in der Hermann-Veit-Straße ist sehr großzügig, es gibt überhaupt kein Gedrängel. Der Countdown wird runtergezählt, dann geht es los.

Gleich auf dem ersten Kilometer durch die Südweststadt wird mir sofort klar, ich bin alles andere als fit. Als hätte mir jemand den Stecker gezogen. Die Erkältung schlägt gnadenlos zu. Der Kopf dröhnt, die Ohren drücken. Der Hals ist trocken. So wird das nichts heute. Die Pace wird von einen Kilometer zum nächsten immer weiter reduziert. Noch fast 40km zu laufen und ich bin krank. Den Puls ständig im Blick, bloß nicht in den roten Bereich laufen. So muß ich den Baden Marathon durchziehen.

Über die Oststadt rüber nach Durlach. Gleich nach der Autobahnbrücke steht wie angekündigt Andrea aus dem Läuferforum und macht Fotos. Kurzer Plausch während dem laufen. Sie fährt einige Punkte der Strecke mit dem Fahrrad ab, und feuert mich immer wieder an. Vielen Dank Andrea, das hat mir gerade heute sehr geholfen.

In Durlach sorgen wie im letzten Jahr viele Stimmungspunkte für gute Laune und Abwechslung an der Strecke. Weiter durch den Oberwald nach Rüppurr. 10km Durchlauf bei 46:33min abgedrückt. Das ist für meinen aktuellen Zustand sehr ordentlich. Aber der Kräfteverschleiß ist bereits enorm, und die linke Wade macht jetzt schon ordentlich Ärger. Ich nehme weiter Tempo raus. Das Feld incl. 3:15 Pacer ziehen an mir vorbei.

Die linke Wade wird immer schlimmer. Da muß was passieren. Das 1.Gel wird diesmal schon am VP KM15 zwischen Rüppur und Weiherfeld vorverlegt. Der Bahnübergang bei KM16 ist in diesem Jahr offen. Beim überqueren gehen mir zwangsläufig die Bilder von letzten Jahr durch den Kopf.

Mit dem Stadtteil Bulach erreichen wir wieder Karlsruhe Stadt. Bulach sieht aber alles andere aus wie ein Stadtteil, eher wie ein kleines, schnuckeliges Örtchen. Auch hier gute Stimmung an der Strecke. Ich habe jetzt ganz schön zu kratzen. Aber es gibt immer noch Läufer, denen es scheinbar noch schlechter geht. Da schleichen 3 Halbmarathonläufer nebeneinander über die Strecke, und machen keinen Platz. Da krieg ich zu viel!

Es folgt die "Marathonweiche" unterhalb der Europahalle. Die Halbmarathonies biegen ab zum Zieleinlauf. Für die 42km geht die Strecke gerade aus weiter. Ich könnte hier ja auch abbiegen und den Lauf als Halbmarathon been
den. Aber da kann es mir noch so schlecht gehen, sowas kommt niemals in Frage! Irgendwie werde ich den 2.Teil der Strecke auch noch überstehen. Die Wade hat sich jedenfalls wieder beruhigt. War wohl ein Nährstoffmangel. Der HM Durchlauf ist mit 1:38:42 ja gar nicht mal so schlecht.

Wegen des Alb-Hochwassers führt die Strecke jetzt nicht mehr über den Damm im Stadtteil Grünwinkel, sondern durch die weniger attraktiven Teile der Weststadt und Grünwinkel. Hier müssen einige Brücken und Überführungen überwunden werden. Das kostet Kraft und Zeit. Bei KM26 am Freibad "Sonnenbad" führt der Kurs wieder auf die 2013'er Strecke zurück. Mit 4:45min/km für diesen eher langweilligen Abschnitt kann ich zufrieden sein.

Noch 16km, weiter in Mühlburg und der Nordweststadt. Wenn ich dranbleibe, dann könnte das am Ende sogar für eine Zeit unter 3:20 reichen. Das wäre doch ein versöhnliches Ende für diesen verkorksten Tag. Dafür darf ich aber nicht langsamer werden. Das wird extrem hart. Die Kraftreserven gehen zu neige. Pulskontrolle: 149 (84%) ist ok trotz Erkältung. 2.Gel rein und den Marathon durchziehen.


KM6 kurz vor Durlach: noch halbwegs gut drauf
KM29 am alten Flughafen. Es schwinden die Kräfte.

links: KM6 kurz vor Durlach: noch halbwegs gut drauf  rechts: KM29 am alten Flughafen. Es schwinden die Kräfte.


KM30 am alten Flugplatz ist erreicht. 2:20:37 auf der Uhr. Das kann ich packen! Zumal es bald durch den Schlossgarten geht. Hier ist erfahrungsgemäß am meisten los. Da fällt es nicht so schwer die Pace zu halten. In der Innenstadt-West sieht man bereits einige KSC Fans. Parallel zum Marathon findet heute auch  das 2.Liga Spiel gegen den 1.FC Nürnberg statt. Eine weitere logistische Herausforderung, die Ordnungskräfte und Sanitäter auf beide Veranstaltungen vernünftig zu verteilen.

Bei KM32 kommt der Abzweig in den Schlosspark. Und fast hätte ich wie im letzten Jahr die Einmündung verpasst. Ein Ordner paßt auf und zeigt mir den Weg. Die Sonne scheint inzwischen, das Schloss zeigt sich von seiner besten Seite. Wie erwartet top Stimmung im Schlosspark. Hier, und auch später in der Innenstadt, präsentieren sich die meisten Tanzgruppen des 6.Karlsruher Tanzmarathons. Bei KM36 wird der Schlosspark wieder verlassen. Die Pace für die letzten 10km konnte unter 4:44min/km gehalten werden. Jetzt noch 6km durchhalten und ich bleibe unter der 3:20 Marke.

Die Kilometer ziehen sich heute ewig. Das 37'er Schild will überhaupt nicht kommen. Auf den Forerunner kann man sich heute überhaupt nicht verlassen. Fast jeder KM wird mit einer Abweichung von bis zum 100m angezeigt! Jetzt habe ich wirklich Tempo gemacht und KM37 wird nur eine 4:51min. Das passt doch vorne und hinten nicht mehr. Die Stimmung in der Innenstadt ist gegenüber dem Schlosspark eher verhalten, und beschränkt sich auf die Power Points. Bei KM38 (4:44min) ist der Abschnitt Innenstadt schon wieder zu Ende.

Leider wird in 2014 auf den Teil im Zoologischen/Stadtgarten verzichtet. Sehr schade, denn die Strecke führt dafür komplett durch die Südweststadt mit wenig Zuschauerzuspruch. So sehr ich mich auch quäle, die Zeiten sind für den Schlussabschnitt nur noch Durchschnitt. KM39 in 4:37 und KM40 in 4:45min/km. Egal, es wird locker reichen. Die Sub 3:20 ist mir so gut wie sicher. Im Stadtteil Beiertheim steht die Uhr auf 3:08:07 und noch 2,2km zu laufen. Jetzt nur noch den bekannten Teil aus dem 1.Abschnitt bis zur Marathonweiche, dann ist das hier so gut wie gegessen. KM41 in 4:48min und KM42 in 4:41min/km. Einlauf ins Beiertheimer Stadion. Die letzten Meter. Da springt der Moderator Georg Schweitzer in bekannter Weise herum, und klatscht die Finisher ab. Ich freue mich. Mit 3:18:30 ist die Zeit absolut ok.



KM35 im Schlosspark: jetzt nur noch irgendwie durchziehen.
Irgendwie wieder durchgekommen. 3:18:30 ist ok in diesem angeschlagenen Zustand

links: KM35 im Schlosspark: jetzt nur noch irgendwie durchziehen.
rechts: Irgendwie wieder durchgekommen. 3:18:30 ist ok in diesem angeschlagenen Zustand


Kurz verschnaufen, dann geht es ins "Runners Heaven", der Zielverpflegung beim Baden Marathon. Hier gibt es neben den üblichen Getränken, Bananen, Äpfeln auch Laugengebäck, Weißbrot und Suppen. Da gibt es nix zu meckern. Ich bin jetzt wirklich platt, möchte mich nur noch umziehen und dann ab nach Hause ins Bett! Schnell wieder fit werden für den 3 Länder Marathon in 2 Wochen.

Info: Danke an Andrea aus Karlsruhe für die Bilder von der Strecke