Samstag, 31.Mai 2014

9.ING Luxembourg Marathon


Lux Logo 2014

Der Highlight in Luxembourg, selbstverständlich auch dieses Jahr wieder mit im Programm. Diesmal aufgrund der vielen Wettkämpfe, in den letzten paar Wochen, eine ganz besondere Herausforderung. Die Woche vor dem Marathon fühle ich mich platt und ausgelaugt. Die letzten beiden lockeren Trainingseinheiten sind alles andere als locker. Schwere Beine, kein Elan, einfach nur ausgelaugt. Die geplante Sub 3:10 werde ich dieses Jahr wohl vergessen können.

Der Marathon in Luxembourg ist für mich inzwischen ein absolutes Routineprogramm. Dieses Jahr ist es bereits der 6.Start auf der anspruchsvollen Strecke. Der ganze Ablauf, die Strecke, alles vertraut. Also wie immer um 12Uhr gemütlich los gefahren, die 240km nach Lux. 13:30Uhr kurzer Stopp zum Spaghetti "Zwangsessen". 15:00Uhr Messegelände auf dem Kirchberg erreicht.

Startunterlagen abholen, und nun rumgammeln bis zum Start um 19:00Uhr. Immer wieder hängt man hier 4 Stunden sinnlos ab, bis es losgeht. Aber es bleibt ja nichts anderes übrig, da die Startunterlagen nur bis 16Uhr abgeholt werden können. Irgendwie bekomme ich nochmal Hunger, und haue mir um 16:15Uhr ein Käsebrötchen rein.


Das muß jetzt sein! Spaghetti im 13:30Uhr!
Super ich bin wieder mit dabei. Zum 6.Mal in Luxembourg.

links: Das muß jetzt sein! Spaghetti im 13:30Uhr!  rechts: Super ich bin wieder mit dabei. Zum 6.Mal in Luxembourg.


Unterlagen abholen
16:15Uhr. Schon wieder Hunger! Nochmal ein Käsebrötchen reingedrückt.

links: Unterlagen abholen  rechts: 16:15Uhr. Schon wieder Hunger! Nochmal ein Käsebrötchen reingedrückt.


Unter der Woche, noch ein Treff mit Stefan aus Flensburg klargemacht. Er will auch um die 3:10 laufen, also warum nicht zusammen laufen. Gerade auf dem schwierigen Kurs mit ca.550 aufaddierten Höhenmetern wäre eine gute Zusammenarbeit sehr hilfreich.

Endlich ist es soweit. Zusammen geht es in den schon sehr überfüllten Starterblock. Wie immer die Marathonläufer in der Unterzahl. Der Block quirlt über mit Läufer/innen welche die "21" auf dem Rücken haben. 1196 (1502 Meldungen) Teilnehmer werden heute den Marathon finishen, dagegen 6036 (7306 Meldungen) den Halbmarathon. Dazu kommen noch 769 Staffeln des Teammarathons.

Die Temperaturen sind um die 20°C, die Sonne scheint. Da es ja schon 19Uhr ist, kann es nur noch kühler werden. Passt also. Was mich ein wenig beunruhigt ist der überfüllte Block und die extrem schmale Strecke auf den ersten 500 Metern. Naja, es ist seitdem der Start 2010, von der Coque an die Messe verlegt wurde, noch nie anders gewesen.


Es wird langsam voll
auf zur Läuferbeutelabgabe! Jedes Jahr staut es sich hier, wegen eines zu kleinen Durchgang der Messehallen

links: Es wird langsam voll 
rechts: auf zur Läuferbeutelabgabe! Jedes Jahr staut es sich hier, wegen eines zu kleinen Durchgang der Messehallen


Mit Stefan aus Flensburg gemeinsam zur Sub 3:10. Mal sehen.
Jetzt mal den Kleiderbeutel weg und raus zum Start.

links: Mit Stefan aus Flensburg gemeinsam zur Sub 3:10. Mal sehen.  rechts: Jetzt mal den Kleiderbeutel weg und raus zum Start.


Der Countdown wird runtergezählt, der Startschuss fällt. Nur mühsam geht es im Trippelschritt voran. Jetzt wird es ernst, ich habe die Messmatte überquert. Sofort wird versucht irgendwie nach vorne zu kommen. Die 180° Kurve gleich nach dem Start macht es zusätzlich schwerer. Wie immer, finden sich wieder einige Läufer/innen unter den "Top Startern", welche niemals das Ziel unter 4 Stunden bzw. 2 für den HM erreichen werden. Total genervt geht es im Zick Zack durch die Massen. Ein Glück, der breite "Boulevard Pierre Frieden" ist erreicht. Die Lage entspannt sich ein wenig. KM1 am RTL Sendezentrum in 4:37min/km war bei dem Trubel nicht anders zu erwarten. Stefan hat sich auch durchgebissen und wir können zusammen weiterlaufen.   

In 4:20'er Pace durch das Wohngebiet auf dem Kirchberg. Ich fühle mich erholter als unter der Woche, dennoch merke ich, das wird heute Abend verdammt zäh werden. Der 5km Durchlauf mit 21:51min ist 14 Sekunden langsamer als 2013, aber dennoch im Soll. Runter zur Avenue John F.Kennedy. Extrem abschüssig, hier kann man Zeit gutmachen. Gleichzeitig für Stefan der Hinweis, dass hier in entgegengesetzter Richtung sich der KM40 befindet!

Weiter im Europaviertel auf der breiten Hauptstraße zum Stadtkern. Vorbei an der Coque, dem Europäischen Parlament, der Philarmonie und schließlich über die "roten Brücke" zum ersten größeren Highlight der Strecke, dem "Champ du glacis". KM5-8 im 4:17'er Schnitt gelaufen. Das klingt erst mal schnell, ist aber aufgrund des ständigen Gefälles eher zu langsam für eine Endzeit von unter 3:10.

Die Stimmung am "Champ du glacis" ist in diesem Jahr sehr verhalten. Die Absperrgitter rücken scheinbar immer weiter weg von der Laufstrecke. Wenn ich da noch an 2009 denke, wo man förmlich von den jubelnden Zuschauermassen erdrückt worden ist......
schade. Genug in Nostalgie geschwelgt, vor uns liegt der Abschnitt im Stadtteil "Limpertsberg". Nicht zu unterschätzen, denn erstmals geht es längere Abschnitte rauf. Mit einem 10km Durchlauf von 43:35min sind wir bereits eine Minute langsamer als meine Zeit vom letzten Jahr.   

Wieder am "Champ du glacis" vorbei, Abzweig in den Stadtpark. Pace im Schnitt jetzt um die 4:20min/km. KM14, die "Centre Ville" wird zum ersten Mal durchlaufen. Die Stimmung in den engen Gassen ist gut, aber kein Vergleich zu den Vorjahren. Wenigstens jetzt am "Knueddler", dem zentralen Platz in der Innenstadt, ist die Stimmung so wie man es gewohnt ist. Noch einmal kann man wählen zwischen Marathon oder doch nur Halbmarathon. Sehr gut durch Helfer mit Schildern und Hinweistafeln klar und deutlich signalisiert.

Nochmal ein bisschen von der Innenstadt Stimmung aufsaugen, bevor es in den eher langweiligen Abschnitt durch den Stadtteil "Belair" geht. Die Pace geht immer mehr in Richtung 4:30min/km. Ich fürchte mit der Sub 3:10, das wird heute nichts werden. Stefan läßt jetzt ein wenig abreißen. Er wäre mit einer 3:15 schon mehr als zufrieden. Es wird wohl wirklich auf eine 3:15 raus laufen, wenn ich nicht bald mal ne Schippe drauflege. Das kann es doch nicht sein! Das ist Luxembourg! Das ist mein Marathon! Los jetzt! Kämpfen!   
  
   
Versorgungspunkt am Stadtpark bei KM20. Gel reingedrückt und Pace erhöhen. Runter zur "Av. Marie-Thérèse". Stefan geht das Tempo leider nicht mehr mit. Schade, jetzt muß ich das alleine durchziehen. Mann, wo bleibt denn die "21". Hier stimmt doch was nicht! Ich glaube das war letztes Jahr auch schon so. Das Schild steht falsch. Und sogar der HM Durchlauf kommt einige hundert Meter dahinter. 1:33:57 ist meine offizielle Halbmarathonzeit. Bei allem Verständnis, das stimmt hinten und vorne nicht mehr. Da kann man mal ne Minute abziehen. Tatsächlich kommt der Marker für KM22 wieder in etwa mit der GPS Messung auf dem Forerunner. Also rechne ich mal mit ner 1:33 für den HM. Schnell überschlagen nach der bewährten Lux Marathon Formel. 2x HM Zeit +8 Minuten. Wäre ne Endzeit von 3:14. Nee, das geht nicht! 

Nochmal die Pace angezogen. Mit 4:20min/km geht es durch den Stadtteil Hollerech. Die vielen Ecken und Abzweigungen, immer wieder hoch und runter, das ist schon nicht einfach. Aber es läuft wieder. Immer mehr Läufer kann ich abhängen. Viele von Ihnen schließen durch unsportliches Abkürzen über die Bürgersteige wieder auf. Aber im Großen und Ganzen sind die platt, lassen irgendwann abreißen und haben nichts mehr zuzusetzen.

KM25 im "Parc de Merl" ist erreicht. Gesamtzeit 1:49:30. Immer noch 2:13min langsamer als in 2013. Aber auf jeden Fall fühle ich mich jetzt wieder frischer. Im Park ist wieder etwas mehr Stimmung, das hilft. Wieder etwas Gefälle den "Boulevard Pierre Dupong" runter. KM26 in 4:15min. Na also! Los weiter kämpfen! Jetzt geht es erstmal wieder rauf. Dranbleiben nicht nachlassen!

Der Zick Zack Kurs durch Hollerech wäre erledigt. Wieder auf der breiten "Av. Marie-Thérèse". Auf der Gegenseite ein riesen Pulk an Läufer/innen. Die sind erst bei KM20. Da bin ich doch bei fast KM28 viel besser dran! Jetzt bin ich mal gespannt. Die "Pont Adolphe" über das Petrusse Tal ist in Bau. Angeblich soll es eine Ersatzbrücke geben!

Tatsächlich! Der Abzweig nach rechts über das Petrussetal kommt in 2014 etwas früher. Die haben hier einfach mal so, eine Ersatzbrücke über das komplette Petrusse Tal gezogen! Letztes Jahr war hier noch nichts! Dann mal rüber! Schleife laufen diesmal in umgekehrter Richtung zum "Boulevard de la Petrusse". KM29 in 4:20min abgedrückt. Super!

Nun der Kracher wie immer! Quasi fast im freien Fall runter ins Petrusse Tal. Alles andere als knieschohnend, dieses Abschnitt. Aber es ist Kult, und das macht es aus in Lux! So, das wars jetzt! Ich bin unten im Tal. Der tiefste Punkt vom ganzen Marathon. Ab jetzt wird es nichts mehr geben zum ausruhen. Nur noch rauf! Am VP drücke ich mir noch das 2.Gel rein. KM30 Marker mit 2:11:31 immer noch gut 2 Minuten langsamer als 2013.

Wieder eine Gruppe mit Läufern vor mir. Obwohl die Luft jetzt doch ein wenig raus ist, kann ich vorbei ziehen. KM31 mit 4:35min ist nicht mehr ganz so schnell. Es war ja zu erwarten. Nach dem Tal de Petrusse geht das große Jammern los. Aber wenn ich dran bleibe, ist die Sub 3:10 noch möglich. Zähne zusammen beißen. Über die Rampe raus aus dem Tal auf die Straße. KM32 in 4:42min wird immer beschissener. Los jetzt, nicht aufgeben. Nur noch 10km!

Nochmal eine Rampe rauf. Jetzt sind wir endgültig im Stadtteil "Gare" angekommen. Das Anlaufen fällt erst mal schwer, aber dann geht es. Zermürbende Steigung über Rue de Strasbourg, Rue des États Unis und Rue D'Anvers. Eine 4:35min für KM33 ist der Lohn für die Schinderei auf diesem schwierigen Kilometer. Wieder mehr Stimmung auf der "Avenue de la Liberté". 180° Kurve am historischen Bahnhof "Gare". Die letzte Staffelwechselzone in der "Avenue de la Gare" macht richtig Spaß. Hier stehen die Schluss-Läufer und können wohl irgendwie nachvollziehen, was wir schon hinter uns haben. Tolle Anfeuerung und Anerkennung. Das tut gut und puscht wieder. 

Jetzt noch der Schwenk, vorbei an dem Gebäude des Acelor Stahl Verwaltungssitzes. KM34 wieder in 4:35min ist ok. Wenn ich das bis nach der "Centre Ville" halten kann, dann stehen die Chancen gut für Sub 3:10.
Nochmal ein kurzes Stück auf dem "Boulevard de la Petrusse". Die Brücke "Viaduc" schon fest im Blick. Rüber zur "Centre Ville". Ich fühle mich echt besser als letztes Jahr an gleicher Stelle. Da kommt die "35". 4:30min steht auf der Uhr. Gesamtzeit 2:29:57. Da hab ich doch ein bisschen verloren im Vergleich zu 2013. Trotzdem, das pack ich. Nur noch 7km. Ich hab noch Reserven!

Den "Place de la constitution" voller Elan umrundet. Ein paar Fußgänger latschen viel zu langsam über die Laufstrecke, stören den Marathon. Da könnte ich mich wieder aufregen. Mit Zorn über so ne sinnlose Aktion geht es zum letzten Mal in die "Centre Ville". Viel bessere Stimmung als noch vor fast 2 Stunden. Ja das ist mein Luxembourg! "Merci" und Daumen hoch! Ein Stück Kopfsteinpflaster ist auch noch im Programm. Gepackt, KM36 in 4:38min! So schnell war ich hier noch nie! Da geht noch was!

"Avenue de la Porte Neuve". Nochmal einordnen für "Marathon" oder "Halbmarathon". Die freundliche Helferin mit der "42" in der Hand klatscht mich ab und feuert an. Ja da ist es wieder! Volles Lux Feeling, und das auf den letzten entscheidenden Kilometern.

Abzweig am "Champ du glacis" auf den letzten entscheidenden Abschnitt den Kirchberg rauf. KM37 in 4:36min abgedrückt. Jetzt kommt der Teil, wo sich die Spreu vom Weizen trennt. Der langgezogene Anstieg auf der Avenue John F. Kennedy. Es ist inzwischen duster geworden. Immer wieder sieht man gehende Läufer auf der Halbmarathon Spur! Unglaublich! Fast 3 Stunden unterwegs für einen Halbmarathon und immer noch nicht im Ziel! Ich ziehe unbeeindruckt weiter. Die "38" kann ich schon aus der Ferne erblicken. Wieder ein Läufer überholt. 4:38min drücke ich am Marker ab. 2:48:19 gesamt! Das muß doch reichen für die Sub 3:10!

Konzentriert weiterlaufen. Ganz verlassen die "Coque" links am Straßenrand. Was war das für eine Party damals 2009 mit Ziel in der "Coque". Unvergesslich! Aber heute wird es auch legendär. Der 80.Marathon und die Zeit wird gut. Ich muß nur so weiterlaufen. KM39 wieder in 4:38min. Es sind nur noch 3km! Die letzte Hürde pack' ich auch noch. Die "Rue Richard Coudenhove-Kalgergi". Extremster Anstieg. Ganz cool bleiben. Nochmal einen überholt. Der VP kommt, dann ist eben. Schnell noch ein Getränk. Geschafft! Der letzte Hügel am RTL Sendezentrum ist ein Klacks dagegen!

Bäh! Die haben mir Kola gegeben. Weg damit. KM40 in 4:44min nach diesem Anstieg. Jetzt sind alle Zweifel ausgeräumt. Das wird reichen! Gesamtzeit 2:57:40, noch 2,2 Kilometer zu laufen. Der "Boulevard Pierre Frieden" wird wie ferngesteuert gelaufen. Ich weiß da brennt nichts mehr an. Ich hab es gleich! Dazu kommt noch, das letzte abschüssige Stück zur Lux Expo runter. KM41 in 4:52min ist eigentlich logisch nach dem brutalen Anstieg. Ich bin platt, aber für den Zieleinlauf haue ich nochmal rein. 

Leicht abschüssig wird Fahrt aufgenommen. Der Lärm der Lux Expo zieht magisch an. Durch den Kreisel. Das Messegelände kommt zum Vorschein. Abzweig am Parkplatz auf die letzten beleuchteten, vielleicht 400-500 Metern. Schlussspurt. Die Uhr ist noch knapp unter 3:07. Ja reicht das um die Zeit vom letzten Jahr noch zu knacken? Nochmal anziehen. Rein in die Lux Expo. Riesenparty. Alles geben. Die Uhr ist noch unter 3:08. Zähne zusammen beißen. 180° Kurve. Zielgerade. Jubeln, es wird reichen. Ich habs gepackt! 3:07:39. Sogar noch ganze 15 Sekunden schneller als letztes Jahr. Was für ein letzter Abschnitt den Kirchberg rauf! Saugeil!


Der Zieleinlauf in der Lux Expo
80.Marathon in 3:07:39 gelaufen. Hätte ich beim Start nicht erwartet.

links: Der Zieleinlauf in der Lux Expo  rechts: 80.Marathon in 3:07:39 gelaufen. Hätte ich beim Start nicht erwartet.


Ein paar Minuten später kommt auch Stefan ins Ziel. Für den ersten Start in Lux eine sehr ordentliche Zeit mit 3:19:57. Dann mal weiter ins Fressparadies. Leider nicht mehr so die große Auswahl als in den Jahren zuvor. Aber alkfreies Weizen ist genug da.

Duschen wie immer im "Hansgrohe-Duschtruck". Nochmal was futtern, dann der lange Heimweg. 3:30Uhr bin ich wieder zu Hause.

Nächstes Jahr zum 10.Luxembourg Marathon bin ich natürlich wieder mit dabei!
 


Nach 3:19:57 kommt Stefan ins Ziel. Eine gute Zeit für den ersten Lauf in Lux.
Die Zielverpflegung ist nicht mehr ganz so reichhaltig wie sonst.

links: Nach 3:19:57 kommt Stefan ins Ziel. Eine gute Zeit für den ersten Lauf in Lux.
rechts: Die Zielverpflegung ist nicht mehr ganz so reichhaltig wie sonst.


DIe Analyse von Luxembourg 2014. Bild anklicken um in einem anderen Fenster zu vergrößern

Die grafische Analyse vom Luxembourg Marathon